Es sind stille Verlierer, nach Hans Magnus Enzensberger: ernüchterte "Helden des Rückzugs", die jeder Nacht der langen Messer höflich zuvorkommen, ihre Siebensachen packen und zum Abschied leise Servus sagen.
Die neue deutsche Kultur des Rücktritts hatte sich schon mit dem schweigsamen Rückzug von Berti Vogts nach Korschenbroich angekündigt. Kurz darauf trat der eben erst wieder eingetretene Stefan Effenberg vom Posten des Spielmachers der Fußballnationalmannschaft zurück, nachdem zuvor schon Thomas Helmer und Andy Möller ihren jeweiligen Grasnarben-Ämtern entraten hatten. Der Theaterkritiker Helmut Schödel trat von der Leitung des Dramatikerwettbewerbs "Steirischer Herbst" unfreiwillig zurück, und in jener dramatischen Bundestagswahlnacht verabschiedete sich auch Erich Böhme als Moderator vom "Talk im Turm". Claus Peymann schließlich, demnächst zurückgetretener Burgtheater-Intendant in Wien, droht jetzt schon vorsorglich mit dem Rücktritt vom künftigen Direktorenposten im "Berliner Ensemble".
Die neue deutsche Rücktrittskultur ist ein unzweifelbares Zeichen des zivilisatorischen, ja, sagen wir es ruhig: allgemein menschlichen Fortschritts. Denn nur, wer einen Schritt zurücktritt, kann erkennen, auf welch schwankendem Boden er stand. Das haben die Sieger noch vor sich.