Beim Durchblättern der Presse fällt ein Artikel des Tagesspiegels (04.09.2000) mit genau diesem Stichwort besonders ins Auge: "Vor fünzig Jahren wurde das Stadtschloß gesprengt", darin steht: Wohlüberlegter Mord - gemeint ist der "Mord" am Stadtschloß.
Obwohl die Berliner schon viele Gewaltmaßnahmen der sowjetzonalen Machthaber erdulden oder mitansehen mußten, hat die Nachricht, daß die kommunistische Verwaltung des Ostsektors das Berliner Schloß sprengen will, in allen Kreisen der Bevölkerung große Erregung hervorgerufen. Unter der Überschrift "Bildersturm an der Spree" beschreibt DER TAGESSPIEGEL Anfang September 1950, was vor genau 50 Jahren in Berlin die Gemüter bewegt: "Um ihr fünf Jahre nach Kriegsende besonders empörendes Zerstörungswerk notdürftig zu rechtfertigen, ließ die Verwaltung durch 'Sachverständige' erklären, der Bau sei so stark beschädigt, daß eine Wiederherstellung dreißig Millionen Ostmark kosten würde. Inzwischen hat der Sowjetdeutsche Friedrich Ebert vor der Volkskarnmer den eigentlichen Zweck der geplanten, durch die Sprengung der Alten Hofapotheke am 7. September eingeleiteten Maßnahme genannt: der Schlüterbau steht dort, wo nach dem Befehl Moskaus bis zum 1. Mai 1951 der Rote Platz 'für kommunistische Demonstrationen' hergerichtet sein muß. "Das Berliner Schloß wird fallen!" rief Ebert triumphierend, und der Beifall zeigte, daß man diesen Aufruf zum Bildersturrn verstanden hatte.(...)
Wie wir heute wissen, war der Abriß des Stadtschlosses eine schlimme Kulturschande, eine "Bilderstürmerei", ein kaltblütiger Mord. Solch eine Kulturschande sollte sich nie mehr wiederholen. Aber genau dieses ist zu befürchten von den heutigen Kalten Kriegern, die nach dem Motto "Auge um Auge, Zahn um Zahn" nun beabsichtigen, wiederum den Palast der Republik niederzureißen. Es gibt weltweit genügend Gutachten und Stellungnahmen von Fachleuten, Journalisten, Architekten, Historikern, Künstlern, die sich für den Erhalt des Palastes der Republik einsetzen. Dies muß hier nicht ausgeführt werden. Es bietet sich aber geradezu an, denselben Wortlaut mit nur wenigen Änderungen als Warnung erneut in die Welt zu rufen:
Obwohl die Berliner schon viele Maßnahmen ihrerer Regierung erdulden oder mitansehen mußten, hat die Nachricht, daß der Abriß des Palastes der Republik in allen Kreisen der Bevölkerung große Erregung hervorgerufen. Unter der Überschrift "Bildersturm der Kalten Krieger" beschreiben wir, was jetzt die Gemüter bewegt: "Um ihr zehn Jahre nach Mauerfall besonders empörendes Zerstörungswerk notdürftig zu rechtfertigen, ließ die Verwaltung durch 'Sachverständige' erklären, der Bau sei so stark astbestbelastet, daß eine Wiederherstellung sich nicht lohnen würde, außerdem wäre ein Schloß schöner, auch wenn keiner so genau weiß, wozu es dienen soll. Inzwischen hat der Westdeutsche Gerhard Schröder gesagt: ich will nicht dauernd diese Honnecker-Bauten sehen, wenn ich aus dem Fenster gucke. "Das Berliner Schloß wird neu gebaut!" rief der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen triumphierend, und der Beifall zeigte, daß man diesen Aufruf zum Bildersturrn verstanden hatte.