Meine Haltung ist ganz klar. Ich sage Nein. So eindeutigklang es schon lang nicht mehr aus dem Umkreis des SPD-Kandidaten Gerhard Schröder. Aber Michael Naumann, momentan noch Verlagschef in New York, im Falle eines Wahlsiegs der SPD-Mann fürs Kulturelle, läßt keinen Zweifel darüber, wie er zum geplanten Holocaust-Mahnmal in Berlin steht. Seine Begründung klingt zudem so pathetisch und sophisticated, daß man sich beinahe an den Duktus von Adorno & Co. erinnert fühlt: Ich fürchte, formulierte Naumann in diversen Interviews, daß eine Nation, die das größte Verbrechen ihrer Geschichte als elegantes, schickes Denkmal ausstellt, irgendwann einmal der Schamlosigkeit geziehen werden muß. Die wahren Gedenkstätten seien die früheren KZs, Bergen-Belsen und Dachau.Ein ebenso energisches Nein von Naumann gab es auch in Sachen deutsche Buchpreisbindung: Mit Zähnen und Klauen werde er sie verteidigen schon deshalb, weil mindestens 15 000 Arbeitsplätze davon abhingen. Neben solchen heroischen Vorhaben sieht Naumann seine Aufgabe vor allem in der Koordination im Versuch, die über diverse Minsterien verstreuten Etats unter einen Hut zu bringen.
Vorwiegend positiv wurde Schröders Kultur-Coup inzwischen bewertet was den Kandidaten angeht und die Funktion, die er ausüben soll. Einen kreativen Beitrag des Bundes zur Kulturpolitik sieht György Konrad darin, der Präsident der Berliner Akademie der Künste, und Olaf Zimmermann, der Vorsitzende des deutschen Kulturrats fordert die Union auf, ihrerseits mit einem Kandidaten zu kontern. Auch von den Grünen gab es Lob damit habe die Debatte einen Schritt in die richtige Richtung genommen, lobte Antje Vollmer. Ihr Parteikollege Volker Beck, rechtspolitischer Sprecher der grünen Bundestagsfraktion, forderte Schröder auf, etwaige Irritationen in Sachen Holocaust-Mahnmal zu zerstreuen und zu versichern, daß er das Projekt nicht in Frage stellt. Auch Ignatz Bubis, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, äußerte sich negativ über Naumanns Stellungnahme zum Mahnmal: Arme Kultur, so sein scharfer Kommentar.
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