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Presseinformation


Aufriß

Künstlerische Positionen zur Industrielandschaft in der Mitte Europas
Ausstellungshallen im Grassimuseum Leipzig (30.5.97-27.7.97, Pragerstraße/Johannisplatz)

Gemeinsam haben die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und das Siemens Kulturprogramm das mehrjährige Ausstellungsprojekt "Aufriß. Künstlerische Positionen zur Industrielandschaft in der Mitte Europas" initiiert, das eine wissenschaftliche und künstlerische Auseinandersetzung mit industriell stark genutzten Landschaftsräumen zum Ziel hat. Kreatives Potential von Künstlern mit einer interdisziplinären wissenschaftlichen Herangehensweise zu verknüpfen, war dabei grundlegende Idee. Das Projekt bindet sich exemplarisch an den Kulturraum Sachsen - Böhmen - Schlesien.

Auf Exkursionen in den Jahren 1994 und 1995 erkundeten international renommierte Künstlerinnen und Künstler gemeinsam mit Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen - Landschaftsplanung, Ökologie, Toxikologie, Geschichte, Philosophie u.a. - sowie Fachleuten aus den betreffenden Regionen die ökologischen Belastungen im "Schwarzen Dreieck" zwischen
Deutschland, Polen und der Tschechischen Republik. Am Beispiel des Braunkohleabbaus wollten sie sich die Spätfolgen ressourcenausbeutender Industrien vor Augen führen. Das Waldsterben aut dem Erzgebirgskamm sowie die Folgen des Uranabbaus waren ebenfalls Themen, mit denen sich die Gruppe beschäftigte. Begleitet wurden die Exkursionen von Vorträgen und
Diskussionen über einen aktuellen Natur- und Landschaftsbegriff, insbesondere über die Frage, wie ein über Jahrzehnte derart ausgebeutetes Gebiet zu einer neuen und stabilen Wertschätzung gelangen und in ökologischer, ökonomischer und sozialer Hinsicht zukunftsorientierte Perspektiven bieten könnte. Angesichts tiefgreifend veränderter und geschädigter Landstriche stellt sich die Frage, ob man, den heutigen Erkenntnissen und Aufgabenstellungen entsprechend, überhaupt noch von einer Rekultivierung und Sanierung sprechen kann. Müssen nicht völlig neue Zeiträume bedacht werden, die über schnelle Lösungsansätze hinaus ein langfristiges, tragfähiges Verantwortungsbewußtsein im Umgang mit geschädigter Natur erkennen lassen?

Zehn Künstlerinnen und Künstler haben sich der Frage nach Gegenwart und Zukunft der Industrielandschaften in der Mitte Europas gestellt und präsentieren ihre Arbeiten erstmals in der Leipziger Ausstellung, die unter der Schirmherrschaft des Regierungspräsidenten Walter Christian Steinbach steht. Der Katalog vereint wissenschaftliche Positionen und spannungsreiche Konzeptionen der Künstler. Er wird ergänzt durch die fotografische Dokumentation der beiden Exkursionen sowie durch kunsthistorische Beeiträge zum Thema Kunst und Landschaft.

Die Künstler: Lewis Baltz (USA/F), Newton Harrison , Helen Mayer Harrison (USA), Matthies Jackisch (D), Josef Koudelka (CR/F), Olaf Nicolai (D), Maria Nordmann (USA), Joana Przybyla (PL), Auke de Vries (NL), Rémy Zaugg (CH/F).



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