Überraschende Wende im Streit um das Holocaust-Mahnmal: Der Staatsminister für Kultur, Michael Naumann, und der Architekt Peter Eisenman haben sich geeinigt - das Mahnmal wird kleiner, um Platz für ein Dokumentationszentrum zu schaffen.
Inzwischen ist aus der Idee etwas sehr Kompliziertes geworden. Zehn Jahre lang diskutierte man das "Ob" das "Wo", das "Für wen" und vor allem das "Wie". Nach Wettbevrerben mit teilweise kuriosen Ergebnissen stellten sich noch unter der Ägide Helmut Kohls zwei der drei Auslober, der Bund und der Förderkreis, schließlich hinter den Entwurf von Peter Eisenman. Das Land Berlin zögerte noch. Dann kam der Bonner Regierungswechsel und mit ihm der für Kultur zuständige Staatsminister Michael Naumann.Er empfand Eisenmans 2 700 Betonstelen als "minimalistische Abstraktion" und setzte ein eigenes Konzept dagegen: einen Museumsbau mit Dokumentation und Forschung.
Daß Eisenman bereit ist, sein Modell so weit zu überarbeiten, daß dort auch noch Naumanns Museum untergebracht werden kann, hat alle überrascht. Christoph Stölzl, Leiter des Deutschen Historischen Museums, sagte am Freitag, er wolle das erst kommentieren, wenn er es vom Architekten selbst gehört habe. Auch beim Förderverein wartet man mit einer endgültigen Bewertung ab, bis der neue Entwurf vorliegt. Der Architekt habe aber versichert, daß die ursprünglichen Absichten des Konzeptes nicht beeinträchtigt würden.
Bei den anderen Beteiligten, Berlin und Bund, hat der Kompromiß für Aufatmen gesorgt. "Wir haben jetzt eine klare Alternative" , sagte SPD-Fraktionschef Peter Struck. Die CDU werde den alten Esenman-Entwurf zur Abstimmung stellen, der neue stehe dagegen. "Die Abgeordneten werden nach ihrem Gewissen entscheiden."
Im Berliner Senat wurde der Kompromiß ebenfalls positiv aufgennmmen. Es habe viele Stimmen gegeben, den ersten Entwurf mit einem "erklärenden Moment" zu ergänzen, sagte Eduard Heußen, stellvertretender Sprecher des Senats. Der erste Eisenman-Entwurf hätte im Senat keine Mehrheit gefunden.Der Kompromiß sei ein "richtiger Schritt", meinte auch Klaus Böger, SPD-Fraktionsvorsitzender im Berliner Abgeordnetenhaus. Die Verbindung aus aktiver Erinnerung und Mahnmal biete die Möglichkeit, die unterschiedlichen Meinungen zu dem Projekt miteinander zu verbinden. "Wichtig ist mir dabei, daß der Standort neben dem Brandenburger Tor erhalten bleibt." Auch die Berliner Grünen applaudierten. "Eine Kombination aus Mahnmal und Haus des Erinnerns könnte das Ende der Debatte über das Für und Wider des Holocaust-Mahnmals sein", erklärte die Fraktionschefin von Bündnis 90/Die Grünen, Renate Künast.
Bedenken äußerte nur Berlins CDU-Generalsekretär Volker Liepelt. Er habe Zweifel, so Liepelt, ob "etwas Akzeptables" herauskomme, wenn man unterschiedliche Ansätze so zusammenfüge.
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