Die Berliner SPD läßt es in der Frage der jetzigen Entscheidung zum Holocaust-Denkmal im Senat von Berlin ankommen. Wie ein Zug der Lemminge schreitet sie forsch hinter Helmut Kohl her, der persönlich entscheiden soll, der aber auch schon angedeutet hat, daß er dies eventuell doch lieber unterlassen wird.
Es geht beim Holocaust-Mahnmal nicht um die Größe oder den Platz, schon gar nicht um die "ästhetische Bewältigung" des Gedenkproblems, es geht um die Legitimation und die Verantwortung, die Folgen dieser Entscheidung zu tragen. Noch heute schlummert der Denkmalsentwurf von Peter Eisenmann im Deutschen Historischen Museum, fern der Blicke Neugieriger. Dazu sei außerdem angemerkt, daß kein Denkmal so banal ist, wie eines, das ein halbes Jahr nach dem Tode des Gedachten oder nach einer Großtat errichtet wird.
So gesehen greifen die Kritiken zu kurz, die meinen, daß in Deutschland zuviel und ohne Ende diskutiert und nicht gehandelt wird.
Die Entscheidung, ob es ein Holocaust-Mahnmal geben soll, kann eigentlich nur der Deutsche Bundestag treffen! Dieser ist die legitime Vertretung des ganzen deutschen Volkes. Vernünftig wäre eine Entscheidung in der Sache, also das "Ob" durch den Bundestag zu entscheiden und dann die Überweisung an eine Kommission, an eine Jury von Historikern, Künstlern und Kunstsachverständigen für die Gestalt vorzunehmen. Der Bundestag sollte dann die Verantwortung für die Ausführung übernehmen.
Holger Münzer
Stellv. Vorsitzender,
Fachausschuß Kultur der SPD Berlin
Weitere Berichte dazu im Archiv in der Rubrik Kunst/Architektur: Holocaust