Das Mosaik des Bernsteinzimmers

17. Mai 1997:
Berlin/Potsdam/Leipzig/Moskau (dpa)

Experten wußten offenbar schon seit Monaten von dem Mosaik

In russischen und deutschen Museen wußte man offenbar schon seit Monaten von der Existenz des jetzt in Deutschland wiederaufgetauchten Mosaiks aus dem Bernsteinzimmer. Der Direktor der früheren Sommerresidenz der Zaren in Zarskoje Selo bei St. Petersburg, Iwan Sautow, sagte am 16.5.97 im deutschen Fernsehen: "Wir haben das vor einigen Monaten von unserem Kollegen, dem Direktor des Museums in Potsdam, erfahren." Der habe mitgeteilt, daß ein Mosaik gefunden worden sei, das vermutlich aus dem bei Kriegsende vor rund 50 Jahren verschollenen Prunk-Kabinett stamme. Ein nach Deutschland entsandter Experte habe festgestellt, daß es sich "hundertprozentig um unser florentinisches Mosaik" handele, sagte Sautow. Der Museumsdirektor sprach auch von "Informationen vom Eigentümer des Werkes, der das Mosaik zu einem Antiquitätenhändler gebracht hat".

Der Direktor der Eremitage in St. Petersburg, Boris Piotrowski, hält das beschlagnahmte Mosaik für echt. Der Fund lasse ihn sogar hoffen, daß vielleicht doch noch das gesamte Bernsteinzimmer wiedergefunden werden könnte, sagte er am Freitag der russischen Nachrichtenagentur Interfax.

Dagegen berichtete die Polizei in Potsdam (Brandenburg) am selben Tag, daß die wissenschaftliche Untersuchung des Mosaiks noch Wochen dauern werde. Auch für die Staatsanwaltschaft in Berlin ist diese Frage noch längst nicht abschließend erklärt.

Inzwischen mehrten sich die Stimmen, die für eine Rückgabe des Mosaiks an Rußland plädieren. Das wäre nach Ansicht des Eremitage-Direktors "das beeindruckende Beispiel der Reue Deutschlands über die Greueltaten des Hitlerfaschismus in Rußland".

Der Ostexperte Wolfgang Eichwede aus Bremen, der die Regierung in Bonn auch in der "Beutekunst"-Frage berät, bezeichnete eine mögliche Rückgabe als Nagelprobe für die deutsche Glaubwürdigkeit rr Echtheit des Bernsteinzimmer-Mosaiks abwarten "und danach in weitere Überlegungen eintreten", betonte Regierungssprecher Peter Hausmann.

Eine mögliche neue Spur vom Bernsteinzimmer führt auch nach Leipzig (Sachsen). Eine reich mit Intarsien verzierte Kommode aus dem Bernsteinzimmer, das von deutschen Truppen 1941 aus Zarskoje Selo abtransportiert und zuletzt 1945 in Königsberg gesehen worden war, sei vor 18 Jahren in der Stadt restauriert und nach Westdeutschland verkauft worden, sagte am Freitag Restaurator Johannes Elste der Deutschen Presse-Agentur (dpa).


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