Der Komponist und Musikpädagoge Peter Jona Korn
in München gestorben

Der Komponist und Musikpädagoge Peter Jona Korn ist am 2. Januar 1998 kurz vor seinem 76. Geburtstag in München gestorben. Korn war Ehrenmitglied der GEMA, von 1967 bis 1987 Direktor des international renommierten Richard-Strauss - Konservatoriums in München und hat in seiner Amtszeit diese musikalische Ausbildungsstätte in das Münchner Kulturzentrum Gasteig geführt. Er setzte sich entschieden ein für die zeitgenössische Musik, so sagte er über Münchens Musikpraxis: "Die 50 beliebtesten Werke der Musikgeschichte werden dauernd gespielt, aber wo bleibt das Zeitgenössische? München war einmal eine musikalische Weltstadt, und jetzt wird sie wieder Provinz". Korn war Vizepräsident des Deutschen Komponistenverbandes sowie Aufsichtsratsvorsitzender und Mitglied zahlreicher Gremien der GEMA (Satzungskommission, Verteilungsplankommission). Als Zeichen des Dankes für seinen unermüdlichen Einsatz für die Musikschaffenden wurde Peter Jona Korn 1991 die Ehrenmitgliedschaft der GEMA angetragen.

Der am 30. März 1922 in Berlin geborene Peter Jona Korn wurde von seinen Eltern 1933 auf ein Internat nach England geschickt. Dort lernte er die Musik Edgar Elgars und Vaughan Williams kennen. Am neugegründeten Palestine Conservatory in Jerusalem war er Schüler von Stefan Wolpe. Von Jerusalem führte Peter Jona Korns Weg schließlich 1941 nach Los Angeles zu seinen weiteren Lehrern Arnold Schönberg, Ernst Toch und Hanns Eisler. Bereits in den späten fünfziger Jahren knüpfte Korn auf Konzertreisen wieder erste Kontakte nach Deutschland. Es folgte eine Zeit des ständigen Reisens zwischen den Kontinenten, die mit seiner Berufung zum Direktor des Münchner Richard-Strauss-Konservatoriums 1967 endete. 1968 erhielt Peter Jona Korn den Musikpreis der Stadt München.

Prof. Dr. Reinhold Kreile (Gema-Vorstand) sagte zum Tode Korns: "Wir trauern um einen großen Künstler und unermüdlichen Streiter für die Belange der musikalisch Kreativen. In ihm kann man einen jener deutschen Tonsetzer sehen, wie sie Thomas Mann in seinem ‚Doktor Faustus’-Roman beschrieben hat: deutsch und weltoffen, voll jüdischer Innerlichkeit und urbaner Brisanz. Das Studium vornehmlich der deutschen Musik und des europäischen und amerikanischen Kulturkreises und das Leben als freier Bürger Amerikas und Deutschlands prägten Korn frühzeitig zu dem, was er sein ganzes Leben lang war: ein Botschafter der zwei Welten, die er vereinigte und deren Spannungen er auszuloten hatte."


Persönliche Anmerkung:
1967 begann ich im Richard-Strauss-Konservatorium in München ein Aufbaustudium im Fach Komposition (bei Peter Jona Korn) und Dirigieren - unter Studenten salopp auch als "Wedeln" bezeichnet - mit Partiturspiel auf dem Klavier (bei Walter Rebner) z.B. mit Streichquintetten (ganz schön schwer) und -quartetten (geht besser, man hat ja schließlich vier Hände).

Bei Walter Rebner durfte ich das Hochschul-Orchester mit "Nachmittag eines Faun" (Debussy, eines meier Lieblingswerke), "Bettelstudent" u.a. dirigieren, es wurde nicht so scharf nach sogen. E-Musik und U-Musik getrennt.

Ich hatte am Staatstheater gerade meinen Durchbruch als Schauspieler geschafft mit "Der Unbesonnene" (Regie Paul Vasil) und als Schauspieler und Komponist mit der Bühnenmusik zu "Die drei Schwestern" (Anton Tschechow), Regie Heinz Hilpert und grandiosen Besetzungen (wie z.B. Peter Fricke, Hans Cossy, Elfriede Kuzmany, Christiane Hörbiger, Karl Michael Rehberg usw.) im Staatl. Residenztheater München und mit grandioser Kritik zuvorderst fettgedruckt für meine Musik ("Der ergreifende Abschiedsmarsch von Holger Münzer..."). Ich hatte davor auch bereits für etwa 20 Kurzfilme und einige damals noch kaum beachtete Spielfilme (Rainer Werner Faßbinder, Rosa von Praunheim usw.) komponiert und viele Chansons geschrieben (für "Schwabinger Woche", Schwabinger Nest", "Simplizissimus", "Neue Katakombe" u.v.a.) solo und mit meiner späteren Ehefrau Gertrude (heute bekannt als "Penny McLean, ehem. auch bekannt als Silverkonvention und Soloplatten wie "Lady Bump" u.v.a.).

Ich stiefelte also an bei Peter Jona Korn. Das erste was er sagte war: "Was wollen Sie denn hier? Sie haben es doch geschafft...". Ich wollte aber dazulernen. Er ließ mich schreiben, außer Übungen wie "Schreiben Sie ein Nocturne im Stil von Chopin" oder "Schreiben Sie ein barockes Werk im Stil von Johannes Schütz oder Vivaldi oder Bach" und ähnlichem durfte ich auch eigenes drauflos komponieren. Er schaute (und hörte) sich alles an, war sehr zurückhaltend, machte nur hier und da kleine Anmerkungen und gab Tips zur Durchführung und Instrumentierung. Er hat mir geholfen, mich selbst zu finden. Ich verehrte ihn und tue das noch heute. Ich habe ihm viel zu verdanken. Ich liebte ihn geradezu.
Daher auch diese Anmerkung anlässlich seines Todes.

Holger Münzer


Siehe auch GEMA Aktuell.

Zum 75. Geburtstag stand im GEMA-Brief Nr. 24 eine Würdigung Korns.
Zu Peter Jona Korn (komponisten.net)
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