Der Mythos Marlene lebt weiter. Doch ein Denkmal für die legendäre Schauspielerin oder auch nur eine nach ihr benannte Straße gibt es in Berlin bis jetzt noch nicht. Das soll sich ändern: Filmproduzent Artur Brauner, genannt "Atze Brauner", will Marlene im Zentrum der Stadt eine Gedenkstätte bauen.
Prominente Regisseure und Schauspieler wie Mario Adorf, Hildegard Knef, Harald Juhnke und Milos Forman sowie Politiker wie der frühere deutsche Bundespräsident Richard von Weizsäcker unterstützen sein Projekt.
In ihrer berühmten Pose mit Zylinder und erotisch übergeschlagenem Bein aus dem Film "Der Blaue Engel" soll Marlene Dietrich als Denkmal auf einem runden Gebäude thronen. Im Inneren der Gedenkstätte werden rund um die Uhr ihre Filme gezeigt und Plakate ihrer rößten Kinoerfolge ausgestellt.
»Die Frau ist es wert, daß man sie ehrt«, sagt Film-Produzent "Atze" Brauner, der mit seinen CCC-Studios in Berlin und Streifen wie "Der brave Soldat Schwejk" und "Mädchen in Uniform" selbst Filmgeschichte schrieb.
»Marlene Dietrich hat mehr Charakter bewiesen als alle anderen, weil sie sich nicht korrumpieren ließ und sich nicht mit den verbrecherischen Nationalsozialisten eingelassen hat«, sagte Brauner.
Die inzwischen zu internationalem Ruhm gelangte Dietrich hatte 1939 die amerikanische Staatsbürgerschaft angenommen und im Zweiten Weltkrieg bei der Truppenbetreuung für die US-Soldaten die amerikanische Uniform getragen.
Immer wieder hatte es deshalb auch in der Nachkriegszeit noch gelegentliche deutsche Abneigung gegen den Filmstar gegeben. Am 6. Mai 1992 starb Marlene Dietrich im Alter von 90 Jahren vereinsamt in Paris. Zehn Tage später wurde sie in ihrer Heimatstadt Berlin beigesetzt.
»Für Deutschland ist Marlene Dietrich das einzige Aushängeschild eines human und tolerant denkenden Menschen«, sagte Brauner. »Vor allem im Ausland empfinden die Menschen den Streit um Marlenes Andenken als provinziell.«
Zwei Stadtbezirke in Berlin streiten sich derzeit um die Benennung einer Straße oder eines Platzes nach der Filmdiva. Seit Jahren wird in Marlenes Heimatbezirk Schöneberg ohne Erfolg über den passenden Ort für das Gedenken debattiert.
Lange Zeit wurde eine heute noch öde Industrie-Straße, der Tempelhofer Weg, für die Namensgebung favorisiert, diese Straß soll jedoch erst in etwa zehn Jahren zur Prachtstraße werden. »Völlig undenkbar«, sagen die Marlene-Fans. Jetzt ist der Kaiser-Wilhelm-Platz in Schöneberg im Gespräch, was aber wiederum "kaisertreue" Schöneberger ablehnen.
Die Gedenkstätte will sich Filmproduzent Brauner rund zwei bis zweieinhalb Millionen Mark kosten lassen, hofft dabei aber auf die tatkräftige Unterstützung des Staates und des Landes Berlin.
Der Standort soll in der Stadtmitte gegenüber der US-Vertretung sein. Das Gelände gehört dem Staat, von dem es Brauner pachten will. Durch Eintrittsgelder für die erwarteten Besucher aus aller Welt will er das Marlene-Memorial später unterhalten.
Der Nachlaß der Film-Diva wird im künftigen Filmmuseum der Stadt untergebracht: 680 Koffer mit etwa 100 000 Gegenständen vom Schminkkoffer bis zu Marlenes legendärer Stola aus weißen Straußenfedern. Genug für die Träume der Marlene-Fans.
dpa