Berliner Zeitung - Nummer 20 - 24./25. Januar 1998


Der Unabomber Theodore Kaczynski wird nach dem Prozeß von der Polizei abgeführt (Bild links), Mutter Wanda und sein Bruder David (Bild rechts) danken dem Verteidiger Anthony Pisceglie. Der Anwalt erreichte in Sacramento Lebenslang statt Todessstrafe für seinen Mandanten.

Keine Todesstrafe für den Unabomber

Deal zwischen Verteidigern und Staatsanwaltschaft:
Lebenslänglich für Terrorist Kczynski


SACRAMENTO, 23. Januar.

Überraschendes Ende des Unabomber-Prozesses: Der Terrorist Theodore Kaczynski, der in den USA über Jahre hinweg mit Briefbomben Angst und Schrecken verbreitete, hat sich vor Gericht schuldig bekannt und entgeht damit der Todesstrafe. Kaczynsis Anwälte hatten die Vereinbarung zuvor mit der Staatsanwaltschaft im kalifornischen Sacramento getroffen. Demnach soll der frühere Mathematikprofessor lebenslänglich ohne Bewährungsmöglichkeit ins Gefängnis kommen.

Die Familie ist erleichtert

Hätte eine Jury über ihn geurteilt, wäre auch die Todesstrafe möglich gewesen. Der Prozeß war seit Anfang Januar von Chaos beherrscht, das Urteil soll im Mai verkündet werden. Der 55jährige wird für eine Serie von 16 Briefbomben verantworttich gemacht, die zwischen 1978 und 1995 drei Menschen töteten und 23 verletzten. Als Richter Garland Burell die Anklagepunkte vorlas, antwortete der frühere Mathematikprofessor ruhig, er sei schuldig. Mutter Wanda und Bruder David reagierten "mit großer Erleichterung" auf die Entscheidung. Es sei "die angemessene Lösung" des Falls, sagte David Kczynski. Er hatte sich dafür eingesetzt, daß sein Bruder von der Todesstrafe verschont bleibt. Der Unabomber war auf einen Tip seines Bruders hin 1996 in einer Einsiedlerhütte festgenommen worden. Der Gouverneur Pete Wilson zeigte sich dagegen "tief enttäuscht" von dem Ausgang. Es handele sich um "einen Justizirrtum". Das Urteil soll am 15. Mai gesprochen werden. Weil der Angeklagte mit seinen Anwälten im Clinch lag, hatte sich die Hauptverhandlung mehrfach verzögert. Er wollte verhindern, daß sein Geisteszustand in dem Prozeß als mildernder Umstand angeführt wird. Der 55jährige leidet laut einer Gerichtspsychiaterin an paranoider Schizophrenie, ist aber verhandlungsfähig. Er hatte nach dem vorgesehenen Beginn der Hauptverhandlung einen Selbstmordversuch begangen und den Wunsch geäußert, sich selbst verteidigen zu dürfen. Dies hatte der Richter ihm verweigert.

Kaczynskis Anschläge waren durch Haß auf die moderne Zivilisation motiviert und richteten sich vor allem gegen Hochschulen und Fluggesellschaften ("universities and airlines") - daher die Bezeichnung Unabomber. Er hatte den Abdruck seiner "Manifeste gegen den Fortschritt" in Zeitungen erpreßt. Die jetzige Einigung schließt eine Strafe von 3,2 Millionen Dollar ein, die der Entschädigung der Bomberopfer dienen soll.

(AFP, AP)



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