Sie nennen ihn "Haudegen". Sie sagen, er habe nun eine einzige Niederlage erlitten - jetzt, gegen den Krebs. Sie wollen ihren alten Weggefährten, der "beileibe kein Trauerkloß war", mit einem Gedenkkonzert ehren - und trauern nun, zusammen mit den "vielen, die seine gewaltigen Verse lieb haben". Die Leipziger Klaus Renft Combo teilte gestern abend Gerulf Pannachs Tod mit - und sprach damit gleich einen warmherzigen Nachruf über den Ticker.
Gerulf Pannach wurde 49. Nur 49. Einer jener Art, die man - mit der schon wieder altmodisch anmutenden Vokabel - Liedermacher nennt. Pannach schenkte Renft damals, als die DDR noch lebte, einige der populärsten Song-Texte: "Apfeltraum" etwa und "Als ich wie ein Vogel war". Im Westen kannte man Pannach bald im Doppel: "Pannach & Kunert": Man wurde auf das mit dem Keyboarder Christian Kunert gebildete Duo aufmerksam, als es 1976 nach Protesten gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns festgenommen wurde und neun Monate in Haft saß. Im August 1977 erreichten auch Pannach und Kunert die Spätfolgen des Biermann-Bebens: Der DDR-Staat schob sie als "Querdenker" nach West-Berlin ab.
Im neuen Deutschland nach 1989 wurde es stiller um Pannach (und Kunert: beide waren jetzt eher einzeln). Einer seiner Texte ging: Mensch, wir werden fett gefüttert / Mit Kampagnen immer neu / Und ich krieg das große Kotzen / Mensch, ich fraß schon massig Heu ... Gestern noch die große Losung / Heute nur noch Phrasen-Schutt ..."
Aber das war, damit keine Mißverständnisse aufkommen, damals. Vorher eben.
Tsp