"Ignatz Bubis drückt sich nach wie vor so maßlos aus, daß ich keine Möglichkeit sehe, seine absurden Behauptungen durch eine 'öffentliche Klarstellung' in den Bereich der gesitteten Rede zurückzubringen. Jemand, der mich nach wie vor einen geistigen Brandstifter nennt, der mich in eine Sprachgemeinschaft mit notorischen Rechtsextremisten stellt (Frey und Deckert) , der will nicht den Dialog, sondern die Diffamierung. Klaus von Dohnanyi und mir 'latenten Antisemitismus' vorzuwerfen hat Reich-Ranicki als den 'größten Unsinn' bezeichnet, der Ignatz Bubis seit langem unterlaufen sei.
Zwei jüdische Intellektuelle haben inzwischen ausgedrückt, was ich auch ausgedrückt zu haben glaube. Wenn diese beiden Aussagen nicht zur 'Klarstellung' beitragen, dann darf man vorerst mutlos werden. Was Rafael Seligmann und Salomon Korn formuliert haben, bezeichnet ganz genau das Hauptmotiv meiner Paulskirchen-Rede. Also, Rafael Seligmann über unsere Gedenk-Kultur: 'Die Zeremonien verkamen zur Routine. Selbst Gutmeinende verloren die Kraft und Geduld. Diesem Nicht-Mehr-Können hat Martin Walser in seiner Rede Ausdruck verliehen. Sein Mut, dies zu tun, verdient Respekt.' Salomon Korn spricht vom 'Gedenkdilemma im Land der ehemaligen Täter' und sagt: 'Als Ausweg wird seit jeher der kleinste gemeinsame Nenner gesucht: ein in floskelhaften Redewendungen kanalisierter Jargon der Betroffenheit.' Zur Überwindung dieses Jargons habe ich meine Erfahrungen dargestellt und versucht, die Routine dem Gewissen auszusetzen."
Der israelische Botschafter wollte am Montag zu Walsers Antwort keine Stellung abgeben. Am heutigen Dienstag wollen sich der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Ignatz Bubis, und der frühere SPD-Politiker Klaus von Dohnanyi, der Walsers Thesen unterstützt, in Bonn auf Einladung der FDP zu einer Diskussion treffen. Der frühere Partei- und Fraktionsvorsitzende der SPD, Hans-Jochen Vogel, hat sich in einem Berliner Radiosender auch für ein persönliches Gespräch zwischen Bubis und Walser ausgesprochen. "Wenn die beiden miteinander geredet und wieder einen gemeinsamen Ansatzpunkt gefunden haben, dann kann im weiteren Verlauf auch eine öffenfliche Aussprache sinnvoll sein", sagte Vogel.
siehe dazu auch: Bubis contra Walser (Kolumne: "Ach, die neue Unbekümmertheit")
und: Fernsehduell - Es gibt einen erfolgversprechenden Versuch, eine Fernsehdebatte zwischen dem Schriftsteller Martin Walser und dem Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Ignatz Bubis, in der ARD zustande zu bringen