Auf die Frage, ob Bubis vor einem Treffen auch den Vorwurf des "latenten Antisemitismus" zurücknehmen müsse, gab sich Walser erstaunt, als habe er davon noch nichts gehört: "Oh. Gott, was soll ich dazu sagen?", meinte der Autor hörbar betroffen. Die Empfehlung, "direkt miteinander zu sprechen" hatte den Kontrahenten auch der Direktor des Berliner American Jewish Committee, Eugene DuBow, gemacht. Er zeigte sich besorgt über die heftigen gegenseitigen Vorwürfe, nur weil Bubis aufgebracht" sei habe er so geredet, sagte DuBow und warf Walser eine "gefährliche" Sprache vor.
In diesem Zusammenhang plädierte der Schriftsteller Ralph Giordano der den Holocaust mit seiner jüdischen Mutter versteckt in Deutschland überlebt hat, für eine "zivilisiertere Form" der Auseinandersetzung. Er erwarte von Bubis und dem SPD-Politiker Dohnanyi, der Walser öffentlich verteidigt hatte, daß sie die gegenseitigen Verletzungen beendeten. Walser hatte sich in seiner umstrittenen Rede zur Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels gegen die Ritualisierung des Gedenkens an die Ermordung der europäischen Juden gewandt, dabei die "Dauerpräsentation unserer Schande" in den Medien beklagt.
Ignatz Bubis nahm die Rede zum Anlaß, vor einem "Nationalismus in intellektuellen Kreisen" zu warnen, der nicht frei sei von antisemitischen Zügen. Bislang war die Debatte ausschließlich über die Medien vermittelt ausgetragen worden. Bei einer Fernsehdebatte könnten die Kontrahenten erstmals direkt aufeinander treffen. Ignatz Bubis hat die Einladung zur Fernsehdebatte im Prinzip angenommen. Ob er bereit ist, seinen Vorwur, Walser sei ein "Brandstifter", zurückzunehmen, konnte gestern nicht in Erfahrung gebracht werden. Bubis befand sich auf einem Flug nach Washington. Allerdings hat Bubis gerade diesen Vorwurf in Interviews mehrfach bekräftigt. Auf die Frage, was er von einer öffentlichen Begegnung erwarte, antwortete Martin Walser: "Das wichtigste wäre die Erfahrung, ob man miteinander sprechen kann."
siehe dazu auch: Bubis contra Walser (Kolumne: "Ach, die neue Unbekümmertheit")
und: Martin Walsers Antwort an den israelischen Botschafter