M E D I O P O L I S    B E R L I N    P R Ä S E N T I E R T



Ein Palast und seine Republik

Ein Film von Julia M. Novak und Thomas Beutelschmidt

58.30 Minuten / Digi-Beta, Stereo / Produktion: Mediopolis Berlin GmbH im Auftrag von ARTE / SFB

Sendetermine:
Mittwoch, 27. September 2000, 20.45 Uhr
Auf Arte

Sonntag, 29. Oktober 2000, 22.00 Uhr
Auf B1

Mediopolis Berlin, Bülowstr. 66, 10783 Berlin, Fon: (030) 23 55 60-0 Fax: (030) 23 55 60-66


Ein Palast und seine Republik

Im September 2000 jähren sich gleich zwei Ereignisse, die deutliche Spuren in der neuen alten Hauptstadt Berlin hinterlassen haben: Vor 50 Jahren wurde das alte Stadtschloss gesprengt und vor 10 Jahren sein "Nachfolger" - der Palast der Republik - geschlossen.

Nach der deutsch-deutschen Vereinigung entfachte dieser Mehrzweckbau heftige Auseinandersetzungen zwischen "Ost-Trotz" und "West-Arroganz", zwischen Palastbewahrern und Schloßbeschwörern.

Rund 25 Jahre hatte es gedauert, bis das "Haus des Volkes" nach der Beseitigung des funktionslos gewordenen Hohenzollern-Sitzes geplant und errichtet wurde. Von April 1976 bis September 1990 diente das frühere Prestigeobjekt der DDR nicht nur als Sitz der Volkskammer, sondern vor allem als beliebter Treffpunkt mit einem attraktiven Kulturangebot und gern besuchten gastronomischen Einrichtungen für mehr als 60 Millionen Besucher. Dieser Mehrzweckbau zeigte das Land von seiner besten Seite: Er funktionierte als inszenierte Klein-DDR und Gesamtkunstwerk.

Nach der Wende wurde das offene Haus für alle aufgrund der seit langem bekannten, nun aber ernstgenommenen Asbestkontamination geschlossen. Die zuständigen Behörden entschieden sich aber erst 1997 zu einer vollständigen Entsorgung der gefährlichen Faser- eine aufwendige und umstrittene Maßnahme, die erst im Laufe von 2002 beendet sein wird. Bis dahin bleibt den Entscheidungsträgern in Bund und Land noch Zeit, über die Zukunft dieser Hinterlassenschaft nachzudenken.

Und was wird dann von dem einst bewunderten und heute geschmähten Koloss übrigbleiben? Vielleicht noch ein wenig Fassade oder die geretteten Erinnerungsstücke - auf jeden Fall aber die Bilder aus besseren Tagen.

Und hier beginnt der Film: Erzählt werden die Geschichten dieser "Superbox" in Filmausschnitten und unbekannten Fotodokumenten, mit einmaligen O-Tönen und unvergessener Musik. Entstanden ist erstmals eine informative wie illustrative Dokumentation über die Entstehung, Funktion und Bedeutung dieses Vorzeigestücks einer DDR-Architektur in den Formen der domestizierten Moderne.

Zuschauer in Ost und West werden eingeladen auf eine spannende Entdeckungsreise in eine "lost world" des einmal real existierenden Sozialismus. Sie lernen den Palast als vielseitigen Hauptakteur kennen; sie können einen Rundgang durch das Haus machen: vom "Jugendtreff" über die Restaurants bis zum "Theater im Palast"; sie werfen einen Blick hinter die Kulissen; sie begegnen der Politprominenz, die hier selbstbewußt getagt hat; sie beobachten viele dienstbare Geister bei ihrer Arbeit; sie erleben die schönsten Highlights aus dem Programmangebot im "Großen Saal", in dem sich das volkseigene Entertainment ebenso heimisch fühlte wie internationale Stars und Sternchen; und sie sehen bislang unveröffentlichte Bilder von der mühseligen Asbestentsorgung.

Der Film blickt zurück und will doch nach vorne schauen: Es wird keine Nostalgie oder Abrechnung betrieben, sondern ein wenig zum Nachdenken angeregt über den Umgang mit dem historischen Erbe im vereinten Deutschland: Ist der Palast der Republik tatsächlich nur eine städtebauliche Altlast und eine nutzlose Asbestruine? Oder verfügt Berlin damit nicht über eine provozierende und prominente Skulptur der 70er Jahre und ein augenfälliges Denkmal sozialistischer Selbstdarstellung?



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