Berlin Die überraschende Nominierung Walter Mompers zum Spitzenkandidaten der Berliner SPD hat zu personellen Konsequenzen geführt. Der SPD-Landesvorsitzende Detlef Dzembritzki und Landesgeschäftsführer Norbert Meisner traten von ihren Ämtern zurück. Dzembritzkis Nachfolger soll auf dem Landesparteitag am 20. Februar gewählt werden.
Der SPD-Bundestagsabgeordnete Dzembritzki empfahl seiner Partei, den ehemaligen Regierenden Bürgermeister Momper auch zum Parteichef zu wählen. Allein der Verdacht, daß das Verhältnis zwischen dem Landesvorsitzenden und dem Spitzenkandidaten nicht vertrauensvoll ist, würde Anlaß zu Spekulationen geben und die Geschlossenheit gefährden." Dzembritzki, dem parteiintern stets Führungsschwäche vorgeworfen wurde, hatte wie die meisten Funktionäre in der Urwahl Mompers Konkurrenten, den Fraktionsvorsitzenden Klaus Böger unterstützt.
Entgegen aller Prognosen hatte der 53jährige Momper klar mit 57,2 Prozent der 10279 abgegebenen Stimmen das Rennen für sich entschieden. Bei der Berliner Parlamentswahl am 10. Oktober ist Momper nach 1989 erneut Herausforderer des Regierenden Bürgermeisters und CDU-Chefs Eberhard Diepgen. Zu dem Angebot, den Landesvorsitz nach seinem 1992 erzwungenem Rücktritt abermals zu übernehmen, nahm Momper zunächst nicht Stellung. Für den Fall, daß er die Offerte ausschlägt, wird in der SPD-Spitze die Kandidatur von Umweltsenator Peter Strieder erwartet. Der Parteilinke hatte sich vor der Urwahl auf keinen der beiden Kandidaten festgelegt. Ungewiß ist die politische Zukunft Bögers, den Momper als unumstrittene Nummer Zwei" der Berliner SPD bezeichnet hatte. Böger will für das Abgeordnetenhaus kandidieren und bis zur Wahl Fraktionschef bleiben. Danach wird man sehen", sagte er.
Für den Fall eines Wahlsiegs will der in der Baubranche tätige Momper die Große Koalition durch einen rot-grünen Senat ablösen. Bereits bei der Bundestagswahl habe sich gezeigt, daß es in Berlin eine Mehrheit aus Rot-Grün pur" gebe, sagte er. Eine direkte oder indirekte Regierungsbeteiligung der PDS schloß Momper aus. Auch die Grünen zeigten sich überzeugt, daß mit der Wahl Mompers die Chancen für eine Ablösung der Großen Koalition gestiegen seien.
Ein Ende des Stillstands ist jetzt in Sicht", sagten die Fraktionschefs der Grünen Renate Künast und Michaele Schreyer. Bereits vor zehn Jahren hatte Momper nach seinem Wahlsieg zusammen mit der Alternativen Liste (AL) eine rot-grüne Koalition gebildet.
Unterdessen erneuerte die Berliner PDS ihr Angebot zur Tolerierung eines rot-grünen Minderheitssenats. Nach Ansicht von Petra Pau, PDS-Landeschefin, wird es ohne ihrer Partei keinen Politikwechsel in Berlin geben. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Klaus Landowsky warf Momper vor, er werde nach einem Wahlerfolg vielleicht doch mit der PDS zusammenarbeiten. Schließlich habe Momper vor seiner Wahl 1989 ein Bündnis mit der AL kategorisch abgelehnt und sei dann umgefallen: Ich traue Herrn Momper und seinen Aussagen nicht".