Der Mann mit dem roten Schal ist wieder da

von Christine Richter, Berliner Zeitung vom 18.1.1999
Walter Momper hat das politische Comeback geschafft. Fast alle, auch viele seiner Freunde haben ihn in den vergangenen Jahren schon mehrfach für politisch tot erklärt, nun ist der "Mann mit dem roten Schal" zurück: Momper wird seine Partei in den Wahlkampf für die Abgeordnetenhauswahl am 10. Oktober führen. Nach vielen Niederlagen nun endlich ein Sieg.

Der letzte liegt zehn Jahre zurück: Im Januar 1989 gewann Momper mit der SPD überraschend 37,3 Prozent der Stimmen und leitete das erste rot-grüne Regierungsbündnis in Berlin ein. In den turbulenten Wendezeiten ging das Bild von dem Regierenden Bürgermeister mit dem roten Schal um die ganze Welt. Das waren glückliche Zeiten für Momper, weniger Fortune hatte er als Chef der rot-grünen Koalition. Das Bündnis scheiterte schon bald, zu viel Streit gab es, zu selbstherrlich führte der SPD-Mann die Regierungsmannschaft. Im Dezember 1990 ging die Wahl verloren, Momper verzichtete auf ein Senatorenamt. Dann folgte der Abstieg in der Partei: Als Momper sich einen Job in der Immobilienbranche suchte, zwang ihn die Partei zum Rücktritt als SPD-Landesvorsitzender. Mit Bauleuten wollte man damals nichts zu tun haben. Drei Jahre später wollte Momper es dann noch einmal wissen: Er trat gegen die jetzige Schulsenatorin Ingrid Stahmer (SPD) an und wollte Spitzenkandidat werden. Doch Momper verlor deutlich und wurde anschließend noch nicht einmal auf einen sicheren Listenplatz für die Abgeordnetenhauswahl nominiert.

Momper zog sich zurück; er gründete seine eigene Projektentwicklungsgesellschaft und blieb in der Öffentlichkeit nur deshalb präsent, weil er ein Kulturfan ist, gerne tanzt und mit Ehefrau Anne kaum eine Theaterprämiere ausläßt. Nur politisch war Momper wenig gefragt. Doch ganz aufgehört hat er nicht, denn der heute 53jährige ist ein durch und durch politischer Mensch. Er leitete den SPD-Fachausschuß Wirtschaft, bereitete Konzepte für Parteitage vor, gründetezwei Vereine und lud Prominente aus Politik, Kultur und Wirtschaft zur Diskussion. Die Freunde von der Basis hielten ihm die Treue, zunehmend junge SPD-Mitglieder konnten sich wieder für Mompers Politikstil begeistern.

"Unkonventionell" sagen diejenigen, die es gut mit ihm meinen. Arrogant und überheblich" sagen seine Gegner. Ungewöhnlich ist Momper aufjeden Fall. Er liebt das Gespräch im kleinen Kreis und auch die großen Auftritte, er ist extrem ungeduldig, wird dann auch schon einmal laut und unwirsch. Momper, den Mitstreiter gerne als Arbeitstier bezeichnen, verlangt das auch von anderen. Der Mann, der rnit seiner Familie seit 33 Jahren in Kreuzberg lebt, geht eine Auseïnandersetzung lieber offen an, als ihr aus dem Weg. Auf die Frage, ob er schon einmal politikverdrossen war, sagte er im innerparteilichen Wahlkampf: "Natürlich, ganz oft, ich bin schließlich ein normaler Mensch."


  • Walter Momper
  • Zu Walter Mompers Rede "Berlin nach der Wahl - Berlin vor der Wahl"
    auf der Veranstaltung des Vereins "Soziale Demokratie Berlin Brandenburg 2000" am 29.10.1998 im Willy-Brandt-Haus
  • Zu Walter Momper: Pressestimmen
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