Gewisse Ehepaare
aus:
"Gesang zwischen den Stühlen" von und mit Holger Münzer
Text: Erich Kästner
Komposition: Holger Münzer (1972)
Gesang: Holger Münzer (1976)
Gesang: Lore Lorentz (1984)
Ob sie nun gehen, sitzen oder liegen,
sie sind zu zweit.
Man sprach sich aus, man hat sich ausgeschwiegen,
es ist soweit.
Das Haar wird dünner und die Haut wird gelber
von Jahr zu Jahr.
Man kennt den Andern besser als sich selber.
Der Fall liegt klar.
Man spricht durch Schweigen und man schweigt mit Worten,
der Mund läuft leer.
Die Schweigsamkeit besteht aus neunzehn Sorten,
wenn nicht von mehr.
Vom Anblick ihrer Seelen und Krawatten
wurden sie bös.
Sie sind wie Grammophone mit drei Platten.
Das macht nervös.
Wie oft sah man einander beim Betrügen
voll ins Gesicht.
Man kann zur Not das eig'ne Herz belügen,
das andre nicht.
Sie lebten feig und wurden unansehnlich.
Jetzt sind sie echt.
Sie sind einander zum Erschrecken ähnlich
und das mit Recht.
Sie wurden stumpf wie Tiere hinterm Gitter,
sie flohen nie.
Und manchmal steht vorm Käfige ein Dritter,
der ärgert sie.
Nachts liegen sie gefangen in den Betten
und stöhnen sacht.
Während ihr Traum aus Bett und Kissen Ketten
und Särge macht.
Sie mögen gehen gehen, sitzen oder liegen,
sie sind zu zweit.
Man sprach sich aus, man hat sich ausgeschwiegen.
- Nun ist es Zeit.
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