Konferenz am Bett
aus:
"Gesang zwischen den Stühlen" von und mit Holger Münzer
Text: Erich Kästner
Komposition: Holger Münzer (1972)
Gesang: Holger Münzer (1976)
Ich saß bei Dir am Bett und fühlte jede
Bewegung des Plumeaus, als wärst es Du.
Wir sprachen klug und deckten mit der Rede
das, was geschehen sollte auf und zu.
Es war ein Zweikampf in gepflegter Prosa.
Du lagst im Bett. Ich saß, und hielt mich stramm.
Es roch nach Puder, und das Licht war rosa,
und manches Wort wog zwanzig Kilogramm.
Du wolltest nicht, daß ich bloß bei Dir säße,
Du wolltest aber, wie ich bald erriet,
daß ich Dich erst auf Dein Kommando fräße.
Du lagst im Bett und machtest Appetit.
Und dabei wußtest Du, daß ich das wüßte
und wußte ich, Du wüßtest längst: er weiß.
Und zeigtest Du ein bißchen sehr viel Büste,
dann nickte ich und sagte: es ist heiß.
Wir waren ganz und gar nicht zu beneiden,
Wir schütteten die Stimmung durch ein Sieb.
Am Ende wußte keiner von uns beiden,
wer das, was beide wollten hintertrieb.
Der Morgen dämmerte, die Vögel sangen.
Bis sechs Uhr dreißig währte das Duett.
Und wie ging's weiter? - Dann bin ich gegangen.
Sonst säß' ich heute noch bei Dir am Bett...
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