"Das Geseire einer Aftermieterin"
aus dem Liederzyklus: "Rinnsteinlieder" von und mit Holger Münzer
Text: Joachim Ringelnatz
Holger Münzer, (1977)
Meine Stellung habe ich verloren,
weil ich meinem Chef zu häßlich bin.
Und nun hab' ich ein Mädchen geboren,
wo keinen Vater hat und kein Kinn.
Als mein Vormund sich erhängte,
besaß ich noch das Kreppdischingewand,
das ich später der Anni schenkte.
Die war Masseuse auf Helgoland.
- Aber der bin ich nun böse,
- denn sie ließ mich im Stich.
- Und die ist gar keine Masseuse,
- sondern geht auf den -----
Mir ist nichts nachzusagen,
ich hab mit einem Zahnarzt verkehrt.
Der hat mich auf Händen getragen.
Doch ich hab' mir selber mein Glück zerstört.
Das war im Englischen Garten,
da gab mir's der Teufel ein,
daß ich, um auf Gustav zu warten,
in der Nase bohrte, ich Schwein.
- Gustav hat alles gesehen.
- Er sagte, das sei kein Benehmen.
- Was hilft es nun, mich zu schämen.
- Ich möchte manchmal
--- ins Wasser gehn ...