"Ick liebe aber ick verachte dir"
aus dem Chanson-Zyklus: "Rinnsteinlieder"
Text: Leo Heller (1921)
Musik: Holger Münzer, (1977), Gesang: Katja Nottke
Wat mußtest du nur meine Weje kreuz'n
als ick am späten Abend auswärts war.
Ick schwebte hin mit alle meine Reiz'n,
ick hatte jrade onduliert meen Haar.
In't Café Stern wollt ick ma hinbejeben,
ick kam de dunkle Linienstraße her,
da trats'te uff mir su un in mein Leben,
da sah ick dir un keenen andern mehr.
- Am selben Abend zahlte ick de Zeche:
- vier 'Brötchen mit' und denn sechs Pullen Bier,
- und nach dem Bier wuchs leider meine Schwäche -
- ick liebe, aba ich verachte dir.
Schon meine Wirtin hat ma abjeraten,
als ick dir brachte zärtlich anjeschleppt.
Sie nannte dir een Hungerkandidaten,
und deine Liebe nannte se vaneppt.
Ick aba hatte dir ins Oog jesehen,
und deine schwarze Tolle hat jebebt;
so war et denn in jene Nacht jeschehen:
ick hatte meine Seligkeit alebt.
- Seither hast du mir for mein Jeld vadrosch'n.
- Und doch - ick bang ma, det ick dir valier.
- Ick wollt et wäre mein Jefühl aloschen -
- ick liebe, aba ick verachte dir.
De Judentrude und de schlappe Hanne,
sie reden ma von solche Liebe ab
und meenen, det mit eenem solchen Manne,
da käme man bestimmt noch in det Jrab!
Ick soll dir schleunigst beit Revier vafeifen,
dann wäre ick befreit von meine Last,
denn - meen'se - wenn se dir erstmal erjreifen,
dann faßte sicher fuffsehn Jahre Knast.
- Ick aba loofe nich zu de Polente,
- denn holten dir die Bullen in't Revier,
- ick weeß, det ick denn nich mehr leben könnte -
- ick liebe, aba ick verachte dir.
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