"Kohle"
aus dem Chanson-Zyklus: "Rinnsteinlieder"
Text: Alfons Petzold
Musik und Gesang: Holger Münzer (1979)
Durch die Gassen, wo die Armut wohnt
und das Elend an den Türen lauscht,
schwankt ein Kohlenwagen, darauf tront
stieren Blicks der Kutscher schnapsberauscht.
- Lässig, müde er die Zügel hält
- in den Händen, die vor Kälte rot.
- Von dem hochbelad'nen Wagen fällt
- Kohl' um Kohle in den Straßenkot.
Hinterm Wagen schleicht ein ärmlich Weib,
matt umstrahlt vom Wintersonnenschein,
hundertmal wohl bückt sie ihren Leib,
sammelt die verlor'nen Kohlen ein.
- Und sie bückt sich um ein jedes Stück,
- froh sich denkend, daß ihr lieber Mann,
- wenn er abends kommt aus der Fabrik,
- eine warme Stube finden kann.