"Das Muttererbe"
aus dem Chanson-Zyklus: "Rinnsteinlieder"
Text: Georg Latz (um 1904)
Musik: Holger Münzer, (1979), Gesang: Katja Nottke
Sie ging tagaus, sie ging tagein
genau dasselbe Endchen;
ihr kleines blondes Töchterlein,
das hatte sie am Händchen.
- Sie lernte auf dem ständ'gen Gang
- verschiedne Herren kennen;
- die Kleine mußt durch die Bank
- sie alle "Onkel" nennen.
Mama und Tochter wurden da
natürlich immer älter.
Und mit der Zeit ließ die Mama
die Onkels immer kälter.
- Und die Mama blieb jetzt zuhaus
- und sprach - Vertrauen hegend -
- "Jeh, Mieze, jetzt alleene aus,
- du kennst ja meene Jejend."

Dann ging tagaus, dann ging tagein
genau dasselbe Endchen
das aufgeblühte Töchterlein,
den Engelhorn in Händchen.
- Und wenn es einen Onkel sah,
- dann sprach's, auch ungebeten,
- "Ick habe jetzt von die Mama
- die Erbschaft anjetreten."
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