"Rosen"
aus dem Chanson-Zyklus: "Rinnsteinlieder"
Text: Leo Heller (um 1921)
Holger Münzer, (1977), Gesang: Joseline Gassen
In keenem Jarten sind so scheene Rosen,
als die in meine Stube an de Wand,
denn sie behalten ihre rote Farbe,
ooch wenn da Somma und der Herbst vaschwand.
Ich streichle sie, wenn ick in' Bette liege,
solang det Flämmchen an den Gasarm brennt.
Und is et finsta, seh ich sie noch imma,
ooch wenn mein Jeist schon eene Weile pennt.
- Ick liebe diese Rosen wie mein Leben
- und janz genau hab ick se abjezählt.
- Ick zähle se uff's neue jeden Morjen,
- det ma nur keene von det Janze fehlt.
Wenn ick am Tach det Publikum bediene
und fast asticke in des Ladens Luft,
denn denke ick an meine scheene Rosen
und spiere förmlich ihren süßen Duft.
Und will ma eener Rosen schenken,
denn sach ich: "Nee, ick danke ooch recht scheen.
Ick hab von voll zehaus die janze Stube,
die Sie ma schenken, die müssen ja vajehn.
- Die meinen aber bliehn zu alle Zeiten,
- ich brauch nich Treibhaus und nich Wasserjlas.
- Zwar kann ich keene von de Wände pflücken,
- doch eben drum macht mir det Janze Spaß.
Ick nenn det Zubeheer, in den ick penne,
mein Rosenjärtlein, und ick fühl ma wohl.
Wenn ick so unta meine Blumen schlafe,
denn riech ick nüscht von'n uffjewärmten Kohl,
wo noch vons Abendbrot zurückjeblieben
uff meinem Tische bis zum Morjen steht.
Ick träume denn von eenem scheenen Jarten,
in dem mein Schatz mit mir spazieren jeht.
- Ich träume denn von'n allerscheensten Taje,
- vom Traualtar und vom Hochzeitsbett -
- denn kratz ich von de Wände meine Rosen
- und binde sie zu meinem Brautbukett.
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