"Seht dort die zwei"
aus dem Chanson-Zyklus: "Rinnsteinlieder"
Text: Karl Henckell (1864-1929)
Musik: Holger Münzer (1979) - Gesang: Peter Siche
Seht dort die zwei! Er spielt die Flöte,
und woll'ne Strümpfe strickt sein Weib,
im Korbe ruhn zwei Dreierbröte
zur Nahrung für den siechen Leib.
Flütüh, flüthüh - wer gibt einen Groschen?
Die Flöte lockt so flehend süß.
"Ihr steckt ja in den Glücksgaloschen!
Euch ist die Welt ein Paradies!"
Flütüh, flütüh - schon humpelt weiter
das eheliche Bettlerpaar,
ein Einziger ist ihr Begleiter,
treu, bis zum Tode, Jahr für Jahr:
Sein Blick ist hohl, sein Gang gebrochen,
von Schwären sein Gesicht entstellt.
Er nagt an einem kahlen Knochen
und heißt - das Elend dieser Welt.