Gustav Kulkes seliges Ende
aus dem Chansonzyklus "Bei Dichters"
Text: Erich Weinert
Musik und Gesang: Holger Münzer
Klavier: Alexander Klein
Gustav Kulke war zu Kaisers Zeiten
Ein berittner Schutzmann in Berlin.
Gustav durfte durch die Straßen reiten
Und am Ersten Mai den Säbel ziehn.
- Gustav ritt die schneidigsten Attacken.
- Manche Schwarte hat er abgepellt.
- Grimmig kriegte er den Feind zu packen,
- Denn er war ein Preuße und ein Held.
Kam der Kaiser in die Ordenswochen,
War für Gustav auch ein Blech dabei,
Dieses ward ihm dankbar angestochen
Von dem Präsident der Polizei.
- Aber ach, sein Kaiser kam abhanden,
- Gustav Kulke wurde abgebaut.
- Böse knirschend stand er nun am Branden-
- burger Tor und räsonierte laut.
Gustav kaufte eine Bierbudike
In der Krümelstraße Nummer drei.
Und er fluchte auf die Republike
Und die schlappe grüne Polizei.
- Ach, und immer, wenn der Erste Mai kam,
- Putzte er sein Polizistenschwert.
- Und bei jedem Aufzug, der vorbeikam,
- Scharrte er wie ein Soldatenpferd.
Gustav spülte seinen Kummer runter.
Aber Gustav spülte viel zu viel.
Und auf einmal war er nicht mehr munter
Und begab sich auf den Sterbepfühl.
- Eines Tags, schon wollte seine Seele
- Still entfliehn - es war der Erste Mai -,
- Da vernahm er preußische Befehle.
- Durch die Straße klirrte Polizei.
Gustav ging ein Ruck durch alle Glieder,
Als er morgens in die Zeitung sah.
Gustav sprach: Nun kommt mein Kaiser wieder!
Denn der Preußengeist ist wieder da!
- Gustav ließ sich seinen Säbel reichen,
- Griff nochmal um den Messingknauf,
- Schlug aufs Bett und gab mit einem weichen
- Lächeln seinen Polizeigeist auf.
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