Stellungnahme des Vereins zur Erhaltung des Palastes der Republik 26.07.2002

Öffentliche Stellungnahme des Vereins zur Entscheidung des Bundestages vom 04.07.2002

Seit 1993 haben wir uns, unter Leitung des leider zu früh verstorbenen Prof. Graffunder, für die sanfte Sanierung des Palastes der Republik eingesetzt und für die schnelle Wiedereröffnung gestritten. Damals empfing uns im ehem. Bauministerium der DDR eine Delegation der Bundesregierung. Das Grobkonzept wurde in Urschrift vorgelegt. Daraus entstand in den folgenden Jahren das Konzept des Vereins (niedergelegt beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg) mit Grafiken und Berechnungen und weiteren Anlagen. Alles wurde permanent aktualisiert und zum Bundesbauministerium nach Bonn gefaxt - so eilig war es - und wurde von dort bestätigt. Der ehem. Bundesbauminister Töpfer forderte uns in seiner Amtszeit auf, am Immobilienwettbewerb teilzunehmen. Das haben wir getan. Das Konzept wurde wiederum entsprechend der Ausschreibung auf den gesamten (ehem.) Marx-Engels-Platz (heute „Schloßplatz“ genannt) ausgedehnt.

Aus der Arbeitsgruppe ist 1994 der eingetragene Verein entstanden, der als gemeinnützig anerkannt wurde. Wir ließen uns auf den Kompromiß ein, die Schloßfassaden architektonisch als Abschluß zu den Linden wieder aufzubauen, dahinter den westlichen Flügel des ehem. Berliner Stadtschlosses sowie die noch vorhandenen Keller zu rekonstruieren (das Gebäude war vorgegeben und sollte, an die Fassade angeschlossen, ein moderner Hotelkomplex werden) und zwischen den Kellerfundamenten planten wir zusätzlich eine Tiefgarage ein, darüber ein „Schlüterforum“, in welchem die geretteten Skulpturen aus dem ehem. Stadtschloß (vgl. Fotodokumentation 1950, 3.000 Fotos sind wieder aufgetaucht und liegen in einem Archiv der Brandenburger Denkmalpfleger in Wünsdorf) wieder erstellt werden sollen. Außer den Kellern und Skulpturen sind alles sebstverständlich keine Originale. Das Schloß ist unwiederbringlich weg. Wir bieten nun also einen der Architektur gebotenen Abschluß und ein „Schlüterforum“. Die Vorschläge der „Historischen Gesellschaft“ um Herrn von Boddien kamen erst viel später. Bereits 1993/94 setzten wir uns mit Herrn von Boddien vor dem Palast öffentlich zusammen und diskutierten über all unsere Vorstellungen. Damals waren wir uns einig: wir wollten Fairneß zwischen allen Beteiligten.

Vorbei war jedoch alles nach dem Regierungswechsel 1998.

Wir distanzieren uns von dieser Art Politik, wo Fachleute und akzeptierte Planungen nichts mehr gelten, wo angesichst leerer Kassen und Millionen von Arbeitslosen Gelder für ein nicht mehr bezahlbares Luxusschluß in „Zuckerbäckerarchitektur“ vergeudet werden und die Finanzrahmen nicht vorher bestimmt wurden, der Leichtsinn geht zu weit!

Wir sind sicher, mit unserem Konzept der Erhaltung des Palastes der Republik mit dem westlichen Flügel des ehem. Berliner Stadtschlosses und den weiteren Vorschlägen in unserem „Konzept“ allen Wünschen am nächsten zu kommen und zu verhindern, daß das Volk der ehem. DDR (welches der im Grundbuch verbriefte wahre Eigentümer ist) nicht erneut zu enteignen.

Wir hatten mit Herrn von Boddien schon öffentliche Gespräche (z.B. vor dem geschlossenen Palast), und glaubten uns einig, inwieweit das noch zutrifft können wir nicht mehr beurteilen. Die momentane Politk leistet dem Volk und der Öffentlichkeit jedoch einen Bärendienst mit der Entscheidung vom 04.07.2002, weil die Öffentlichkeit (und das Volk) nie mehr zur Sprache kam. Sportlich unfair wurde hier aus Berlins Mitte und dem Palast - dem Haus des Volkes - eine Wahlkamfpszenerie gemacht.

Lieselotte Schulz, Vorsitzende

Hier kann man sich die Stellungnahme als stellungnahme.pdf  herunterladen

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