FUCHS UND FERTIG | Regisseur: Leonard Drescher | Autor: Slawomir Mrozek | Probenfotos | Kritik

Brandenburger Landkurier vom 29.01.2001:

Erst verblüfft, dann begeistert

Mit viel Beifall quittierte das Publikum in Pritzerbe hochaktuelles Theater

Pritzerbe Das war weder seichte noch leichte Hausmannskost, was da am Freitag über die Bühne des Hauses der Begegnung ging. Auch die Genrebezeichnung Satire für Slawomir Mrozeks Stücke trifft es nur unvollkommen. Der 1930 in Borzecin bei Krakau geborene polnische Autor nimmt ironisch-witzig menschliche Schwächen aufs Korn und hebt sie ohne Erbarmen auf die Ebene des "gesellschaftlich Bedeutsamen", schafft sich und seinem Publikum damit gewissermaßen eine neue Welt. Eine Welt, die immun gegen Tabuthemen ist, die sich mit den Mitteln der Satire schonungslos anprangern läßt. Das mag ein Grund gewesen sein, warum der Regisseur Leonard Drescher seiner "Fuchs und Fertig" titulierten Stückauswabl den Untertitel "in 80 Minuten rund um Mrozeks Welt" gab. Im nahezu ausverkauften Pritzerber Haus der Begegnung und Kultur war man erst verblüfft, dann begeistert. Was da teils vor Jahren und zu Zeiten des Kalten Krieges entstand, erwies sich bei näherer Betrachtung nämlich noch immer als hochaktuell. Schon in der Begrüßungsszene kommt das treffsicher zum Ausdruck. Salbungsvoll redet Tanja Arenberg in diesem Ausschnitt aus Mrozeks Schlachthof' Leonard Drescher an die Wand. Der, als Künstler, kommt bei dem Moderatorinnengequassel kaum zu Wort. Eine gute Figur machen dabei schließlich weder die "Schönrednerin" noch der "Künstler".

Der Schauspieler Holger Münzer auf der Pritzerber Bühne
Ganz anders beim zweifellosen Programmhöhepunkt, dem Einakter "Serenade", in dem die Schauspieler in Tiergestalten schlüpfen. Despotisch hält der Hahn (Holger Münzer) seinen Hof zusammen. Er erkennt und warnt zwar vor dem Fuchs (Günter Rüdiger), doch seine Hühner "Bruna" (Tanja Arenberg), "Blonda" (Sophie Sternfeld) und "Rougea" (Leonard Drescher) sind neugierig. Raffiniert und eine jede auf andere Weise, weiß der Fuchs sie zu umgarnen. Am Ende vermag er sogar den Hahn zu überlisten - und, als der beseitigt ist, folgt der ganze Hühnerhof willfährig dem neuen Idol. Was hier als Denkaufgabe fürs Publikum blieb, war im "Haus auf der Grenze" schließlich überdeutlich. Irgendwo wird eine ganz normale Familie durch Diplomaten aus ihrem Alltag gerissen, die mitten durch ihr Anwesen eine Grenze ziehen. Der Alltag wird mit einem Mal zum recht zweifelhaften "historischen Moment" erhoben, bei dem der Einzelne auf der Strecke bleibt...


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