(gegr. 1981)

 Hier erfahren Sie etwas über einige Theateraufführungen in Berlin und außerhalb Berlins, die ein Freund und Ensemblemitglied erstellt hat:
 "Det isses" (1987)
 "Aus der Muschelzeit", Zeit-Revue zur 125-Jahr-Feier der SPD (1988)
 "Lauter Falsche Fuffziger", Revue über die 50er Jahre (1988)
 "Cabaret de Berlin" (Berliner Kabarettprogramm, 1988, mit französischer Moderation 1989 in Nantes) mit Presseartikel

Die Presse


Volksblatt von Berlin vom 07.07.1989
Berliner Schnauze von der Schokoladenseite
Das Cabaret de Berlin gastiert im Rahmen der Spandauer Sommerfestspiele auf dem Brose-Hof
Unter der resoluten Leitung von Trude Hesterberg war das Kabarett "Wilde Bühne" Anfang der 20er Jahre in der Charlottenburger Kantstraße zu Ruhm und Ehren gekommen. Für sie schrieben Bert Brecht, Erich Kästner, Walter Mehring, Kurt Tucholsky. Klangvolle Namen, die auch das Rückgrat der literarischen Revue "Cabaret de Berlin" bilden, mit dem die neue "Wilde Bühne", 1981 von Holger Münzer, Schülern, Studenten und Mitwirkenden der Theaterwerkstatt Charlottenburg gegründet, im Rahmen der Spandauer Sommerfestspiele Berlin im Handwerkerhof bei Brose gastiert.

Eine Revue, wie man sie kennt und schätzt: Unüberhörbar nostalgisch im Ton passieren Jahrhundertwende und zwanziger Jahre, die vermeintlich goldenen, von deren kultureller Vielfalt sich heute wieder träumen läßt, Revue. Alles, was das Herz begehrt: pb melodramatisch ("Die Großstadtpflanze"), keß und keck ("Wegen Emil seine unanständje Lust"), frivol ("Ein Neandertaler"), schwarzhumorig (Otto Reuters Couplet "Nehm'se 'n Alten") oder politisch ("Der Revoluzzer") - Berliner Schnauze, treffsicher und hemdsärmlig gespektlos, zeigt sich hier von der "Schokoladenseite". Und trübere Zeiten werden in den Chansons von Mehring gestreift, während Volker von Törne mit seinem Apo-Lied vom "Terroristen Karl Heinz Pawla" ein etwas jüngeres Kapitel schreibt.

Die haben sich die Rosinen aus dem Kuchen gepickt. Der Wiedererkennungswert ist enorm, die alten und die neuen Arrangements zünden ohrwurmhaft musikalisch. So weit also: kollosal, um im Jargon vergangener Zeiten zu bleiben. Der Experimentierfreudigkeit sind da natürlich Grenzen gesetzt. Entdeckungen wird der eifrige Kabarett-Gänger hier kaum machen können. Was schade ist, wo es doch noch soviel zu entdecken gibt, im Einst und Heute.

Das siebenköpfige Ensemble schlägt sich wacker, Holger Münzer, mit und ohne Klavier, agiert als quirliger Conférençier, um hübsche choreographische Einfälle zudem selten verlegen, das Ambiente im Lichthof, Fachwerk und Schmiedeeisen, ist reine Augenweide. Und Dinah Reuter, die so gekonnt zwischen Burschikosität und erotischem Flair zu changieren weiß, scheint mir das Naturtalent im Ensemble zu sein.

Ronald Glomb

Die Wahrheit 05.07.1989
Superspaß im Hinterhof
Ein "Cabaret de Berlin" im "fernen" Spandau
Die nach Feierabend friedlich entschlafene Spandauer Altstadt birgt doch noch Leben in sich. Zumindest in Hinsischt des Hauses Breite Straße 23. Dort gstiert - jeweils freitags bis sonntags ab 20 Uhr - ein Sommertheater besonderer Art. Holger Münzer arrangierte ein "Cabaret de Berlin". In Spandau läßt sich über Berlin bekanntlich besonders gut lästern.

"Wilde Bühne" nennt sich das Unternehmen der Theaterwerkstatt Charlottenburg und knüpft an die erfolgreiche Kabarettbühne der 20er Jahre gleichen Namens an, die Trude Hesterberg leitete. So prominent sind die Akteure von heute noch nicht - geschauspielert und gesungen wird von jungen Schauspielern und Schauspielschülern der UdK, der Fritz-Kirchhoff-Schule und der Theaterwerkstatt Charlottenburg. Da die Titel aus den 20er und 30er Jahren aber allesamt bekannt und deren große Interpreten legendär sind, läßt sich ein Vergleich ziehen: Unprofessionell sind die "Anfänger" im Hinterhof keinesfalls.

Im Gegenteil - wo die Sangeskunst nicht ganz so reicht, wird das Manko mit schauspielerischem Talent behoben. Zumindest bei der Premiere am vergangenen Sonntag demonstrierten alle Mitwirkenden ein herzerfrischendes Selbstvertrauen und ließen keinen Zweifel daran aufkommen, daß sie großen Spaß am Spielen haben. Soviel Natürlichkeit und Frische ist in Westberlins Kleinkunstspielorten rar geworden. Abgeklärtheit hat da Einzug gehalten.

Was man erwartet wird auch geboten. Hugo Wieners "Aber der Nowak läßt mich nicht verkommen" ist ebenso auf dem Programmzettel wie Otto Reuters berühmtes Couplet "Der gewissenafte Maurer". Friedrich Hollaender, Walter Mehring, Erich Mühsam und Kurt Tucholsky sind dabei, Claire Waldoffs "Wer schmeißt denn da mit Lehm?" setzt den Schlußpunkt. Wenn die ganze Truppe im Chor singt "Mein Bruder macht im Tonfilm die Geräusche", kann auch die Oma in der ersten Reihe ihre Begeisterung nicht unterdrücken und singt mit. Holger Münzer hat aber die "wilden" 20er Jahre durchaus politisch belassen wie sie nun mal waren. Brechts "Und weil der Mensch ein Mensch ist" ist da nicht das einzige. Es gibt auch Volker von Törnes Adaption auf den frechen Bürgermeister Tschech, als "Lied vom Terroristen Karl Heinz Pawla", der bekanntlich in den späten sechziger Jahren das Berliner Langdericht beschiß.

Die ganz große Kunst ist es freilich nicht, die da in dem schmalen Hof der Breiten Straße zur Aufführung gelangt. Aber es ist eine ganz große Idee und ein herrlicher Spaß. Wer's nicht glaubt, daß man "Ein Freund, ein guter Freund" auch etwas intelligenter inszenieren kann als Heinz Rühmann, der sollte mal einen Ausflug nach Spandau machen.

Hari WINZ

Index-Seite


Gehe zu:
Theaterspielpläne | Theateradressen | Präsentationen | Auskunft | Kultur-Netz

Programmierung und Design: © Kultur-Netz-Service




































Sie sind Besucher